mecklenburg-vorpommern

energiepark plate

Das Windeignungsgebiet Plate soll zum Energiepark weiterentwickelt werden. Ziel ist, aus vor Ort erzeugtem Wind- und Sonnenstrom in einer Elektrolyse-Anlage regenerativen Wasserstoff und Folgeprodukte wie CNG, LNG (sogenannte E-Fuels) oder Methanol zu erzeugen und die Energie so speicherbar und auch regional besser nutzbar zu machen. 

Hintergrund: Wind- und Sonnenstrom sind vom Wetter abhängig. Bei einer dezentralen Versorgung ist die besondere Herausforderung, Energieerzeugung und -nutzung aufeinander abzustimmen. Mit Wasserstoff lässt sich grüner Strom speichern und bei Bedarf wieder rückverstromen. Darüber hinaus bietet Wasserstoff neue Optionen für eine regionale Wärmeversorgung und für die Verkehrswende. 

Initiatoren des Projektes sind die naturwind schwerin GmbH, die EXYTRON GmbH aus Rostock und die VR Bank Nord eG, die gemeinsam bereits in Lübesse eine solche Power-to-X-Anlage, die aus Grünstrom regenerativen Wasserstoff und synthetisches Methan erzeugt, planen. 

Projektstatus

Interessenbekundungsverfahren zur geplanten Förderung im Bereich Wasserstofftechnologien im Rahmen von IPCEI, Antragsverfahren zur Förderung einer Machbarkeitsstudie nach Klimaschutzförderrichtlinie MV

Projektpartner

EXYTRON GmbH, VR Bank Nord eG,
Lübesse Energie GmbH, wpd,
Agrargenossenschaft Plate

Darum Plate: Windeignungsgebiet sinnvoll nutzen

Westlich von Plate ist im zweiten Entwurf des Regionalen Raumentwicklungsprogrammes Westmecklenburg ein rund 230 Hektar großes Windeignungsgebiet ausgewiesen, für das naturwind bereits den Bau und Betrieb von drei Windrädern im südlichen Bereich beantragt hat und 2021 mit einer Genehmigung rechnet (hier gehts zur Projekt-Website für den Windpark Plate). Ziel der Gemeinde Plate ist es, eine regionale Nutzung der vor Ort erzeugten Energie zu ermöglichen und neben Windenergieanlagen auch Flächen für die Verstetigung und Speicherung erneuerbarer Energien zu schaffen. Dazu ist geplant, für die Windenergie möglichst konfliktarme Flächen im Windeignungsgebiet zu nutzen und auf diesen insgesamt maximal acht Windenergieanlagen aufzustellen. Andere Bereiche sollen für den Betrieb eines Solarparks und für die Wasserstoffproduktion genutzt werden. Um dies zu ermöglichen, hat die Gemeinde Plate die Aufstellung eines Bebauungsplanes „Energiepark Plate West“ beschlossen, in dem Baufenster für die verschiedenen Nutzungsmöglichkeiten (Wind, Photovoltaik und Wasserstoff) festgelegt werden sollen. Die Gemeinde entscheidet also selbst mit, wie der künftige Energiepark aussehen wird.  

Das Projekt in Plate ist das zweite dieser Art in der Region. In der Nachbargemeinde Lübesse läuft seit Dezember 2020 das Genehmigungsverfahren zum Bau einer Energieversorgungszentrale, die aus Windstrom Wasserstoff und in einem zweiten Schritt synthetisches Methan (grünes Windgas) erzeugen soll. Dezentrale Wasserstofflösungen wie diese sind gut und sinnvoll, um regional erzeugte Energie vor Ort zu nutzen und die erneuerbaren Energien netz- und systemdienlich in die künftige Energieversorgung zu integrieren. In Lübesse und in Plate sollen so Unternehmen und Einwohner mit regenerativer regionaler Energie (Strom und Wärme) versorgt werden. Regional überschüssiger Strom aus dem Energiepark bietet weitere Möglichkeiten. In Lübesse ist geplant, synthetische Kraftstoffe (E-Fuels) für den Mobilitätssektor zu produzieren. Für Plate wird ein konkretes Konzept im Rahmen einer Machbarkeitsstudie noch erarbeitet. Eine erste Projektskizze wurde im Februar 2021 beim Bundeswirtschaftsministerium eingereicht. Ziel ist, Fördermittel für die Umsetzung im Rahmen eines sogenannten Wasserstoff-IPCEI zu erhalten. 

Das IPCEI-Verfahren: Besonderes europäisches Interesse

Die Bundesministerien für Wirtschaft und Verkehr haben im Januar 2021 ein Interessenbekundungsverfahren für Wasserstoffprojekte gestartet. Unternehmen konnten bis zum 19. Februar Projektskizzen im Bereich Wasserstofftechnologie einreichen. Es geht um insgesamt mehrere Milliarden Euro Fördermittel des Bundes und der Länder. Ende 2020 wurde dazu ein „Wasserstoff-IPCEI“ auf den Weg gebracht. IPCEI steht für „Important Projects of Common European Interest“. Für solche transnationalen Vorhaben von gemeinsamen europäischen Interesse können umfangreiche staatliche Unterstützungen gewährt werden, mehr als das EU-Recht zulässt. IPCEI-Projekte gibt es bereits in der Batterietechnologie. 22 EU-Mitgliedsstaaten und Norwegen haben das Wasserstoff-IPCEI unterzeichnet. Gefördert werden sollen Projekte entlang der gesamten Wasserstoff-Wertschöpfungskette, also Investitionen in Erzeugung, Infrastruktur und Nutzung. Für den geplanten Energiepark Plate erhoffen sich die Initiatoren Fördermittel im Rahmen des Wasserstoff-IPCEI. Eine umfangreiche Projektskizze wurde eingereicht. Das Bundeswirtschaftsministerium wird nun Unternehmen auswählen, die an einem so genannten Matchmaking-Prozess teilnehmen. Dabei werden mehrere Projekte länderübergreifend verknüpft, um das Gesamtprojekt des IPCEI in seiner Bedeutung für den Aufbau eines europäischen Wasserstoffmarktes darzustellen. Eine finale Bestätigung der eingereichten Projekte durch die EU wird laut Bundeswirtschaftsministerium für November 2021 angestrebt. 

Das sind die nächsten Schritte

Die im Rahmen des Wasserstoff-IPCEI geförderten Projekte sollen bis 2025 umgesetzt werden. Aktuell wird die Aufstellung des Bebauungsplanes „Energiepark Plate West“ vorbereitet. Dies ist Voraussetzung für die Nutzung des Gebietes als Energiepark mit erneuerbarer Stromerzeugung und für die Energieumwandlung und Speicherung. Für den Bau des Solarparks innerhalb des geplanten Windeignungsgebietes ist zudem ein so genanntes Zielabweichungsverfahren (ZAV) notwendig, um abweichend von den Zielen der Raumplanung neben Windenergieanlagen auch einen Photovoltaikpark zu errichten. Die Genehmigungsunterlagen zum Bau der benötigten Windenergieanlagen werden parallel dazu vorbereitet.

Standort

Südlich der Landeshauptstadt Schwerin befindet sich die Gemeinde Plate mit ihren Ortsteilen Plate, Consrade und Peckatel.  Westlich des Ortes Plate, entlang der Autobahn A14, erstreckt sich das künftige Windeignungsgebiet, das zum Energiepark weiterentwickelt werden soll. 

Kim Müller

Fragen & Antworten

Wasserstoff wird konventionell aus fossilem Erdgas gewonnen, wobei klimaschädliches Kohlenstoffdioxid entsteht. Grüner Wasserstoff lässt sich mit regenerativem Strom durch Elektrolyse - ganz ohne Kohlenstoff - aus Wasser herstellen. Mit grünem Wasserstoff können erneuerbare Energien gespeichert und daraus bedarfsgerecht Strom und Wärme erzeugt werden sowie regenerative Gase und Kraftstoffe für den Verkehr. So können fossile Energiequellen ersetzt werden. Dies ist wichtig zum Erreichen der Klimaziele. 

Die Einwohner der Gemeinde Plate können preiswert Strom aus dem Energiepark beziehen und werden dank der Speichermöglichkeiten des Energieparks dann autark regional versorgt. Die bei der Wasserstoffelektrolyse und weiteren Umwandlungsprozessen anfallende Wärme soll mittels Nahwärme für Teile des Ortes Plate zur Wärmeversorgung genutzt werden. Mehr dazu können wir aber erst sagen, wenn die Planungen weiter fortgeschritten sind. Wir bitten daher alle Plater, mit einer gegebenenfalls anstehenden Heizungssanierung möglichst noch zu warten. Außerdem sollen sich Einwohner auch finanziell am Energiepark beteiligen können. Ein Beteiligungskonzept dazu wird im Rahmen der Machbarkeitsstudie erarbeitet. 

In das geplante Windeignungsgebiet passen nach Abzug der vorgesehenen Flächen für Photovoltaik und für die Wasserstofferzeugungsanlagen maximal acht Windräder. Drei davon sind bereits beantragt und sollen 2021/22 errichtet werden. An der Autobahn A 14 entsteht zudem ein Solarpark. 

Mit den geplanten Anlagen wird weit mehr Strom produziert als vor Ort benötigt. Um den Energiepark wirtschaftlich zu betreiben, wird der Strom auch umgewandelt und in anderen Energiebereichen vermarktet. Das können zum Beispiel regenerative Kraftstoffe (E-Fuels) für den Nah- und Fernverkehr sein. Zudem soll die Anlage „systemdienlich“ betrieben werden. Das heißt, dass ein Teil der erzeugten grünen Gase gespeichert und rückverstromt wird, um bei Bedarf das Stromnetz zu stabilisieren.

Die Kosten für das gesamte Projekt belaufen sich nach ersten Schätzungen auf rund 150 Mio. Euro. 

Hohe gesetzliche Umlagen auf den Strom und die aktuellen Technologiekosten machen derzeit noch eine Förderung erforderlich. Durch energierechtliche Anpassungen und Skaleneffekte lassen sich die Kosten künftig reduzieren, um ein Projekt wie dieses auch ohne Förderung durchgehend wirtschaftlich zu gestalten. Das Wasserstoff-IPCEI ist für das Projekt in Plate wie gemacht. Wir sind zuversichtlich, dass wir hier berücksichtigt werden. Es gibt alternativ aber auch andere Fördermöglichkeiten für solche Projekte. Ziel all dieser Fördermaßnahmen ist es, besondere gesellschaftliche Herausforderungen, wie sie die Energiewende erfordert, anzugehen. 

Weitere informationen

Eine Umgehungsstraße für Plate

Ziel der Planungen für den Energiepark ist auch, für den Ort Plate eine Umgehungsstraße zu realisieren, um das Dorf von der hohen Verkehrsbelastung zu befreien. Dies ist seit Jahren ein ausdrücklicher Wunsch der Gemeinde. Mehrere tausend Fahrzeuge pro Tag würden so aus dem Ort verschwinden, die Lebens- und Wohnqualität für Anwohner steigen. 

 

Die Idee ist, die ohnehin erforderlichen Wege für die Erschließung der Energieanlagen als Verkehrsstraße durch das Windparkgebiet anzulegen und diese Straße nach der Erschließung als Ortsumgehung zu nutzen. Ziel der Gemeinde ist zudem, mit dieser Verkehrsstraße dann auch eine Anbindung an die Autobahn A14 sowie an die Stadt Schwerin zu erreichen. Insbesondere der Süden der Stadt Schwerin mit seinen Gewerbegebieten sei damit für die Menschen aus Plate und der Region besser erreichbar. Von einer weiteren Autobahnauffahrt, so glaubt man in der Gemeinde, werde auch die Stadt Schwerin profitieren.

weitere fragen zum projekt

Sie haben weitere Fragen zum Energiepark Plate? Dann schreiben Sie uns! Wir antworten.

Mit der Entwicklung des Windeignungsgebietes zu einem Energiepark haben wir die Chance, die Energiewende
in Mecklenburg mitzugestalten und den Einwohnern in der Gemeinde die Möglichkeit zu geben,
von der Energiegewinnung zu profitieren.

Ronald Radscheidt, Bürgermeister Plate

Weitere Projekte in der Region

Energiedorf Lübesse
Windpark Alt Zachun-Bandenitz
Carsharing Schwerin